Solitär Geschichte

Eine Tankstelle, ein Laden, eine Bäckerei und eine Kapelle – das ist Solitär! Ja, das ist Solitär – allerdings ein Ort in Namibia und dieser hat nicht allzu viel mit dem Kartenspiel Solitär zu tun. Außer vielleicht der Entstehungszeit: Der afrikanische Ort Solitaire wurde 1884 gegründet und etwa in diese Zeit fällt auch die erste Erwähnung des Kartenspiels. Dazu verbindet beide die Einsamkeit, denn das deutsche Wort Solitär bedeutet auch Einzelgänger, einzelner Baum oder Einsiedler – schließlich wurde und wird das ursprüngliche Spiel Solitär meist von einem, maximal von zwei Spielern gespielt. Darum übrigens auch der Name!

Auch wenn die genaue Herkunft des Kartenspieles unbekannt und von allerlei Mythen umgeben ist, scheint eines klar zu sein: Solitär kommt aus dem Norden! Vielleicht nicht unbedingt von den Wikingern, aber erste Erwähnungen des beliebten Zeitvertreibs tauchen Anfang des 18. Jahrhunderts im Norden Europas auf. Die Anordnung und das Ablegen der Karten wiederum lassen vermuten, Solitär könnte aus der Wahrsagerei mit Tarot-Karten entstanden sein. Der Ursprung, so wird jedenfalls allgemein vermutet, ist also eher mystisch und von Aberglauben und Auslegungsmöglichkeiten mit allerlei bunten Bildchen durchzogen.

Schon die alten Ägypter spielten Karten

Tarot kennen wir in Europa seit dem 15. Jahrhundert, und zwar aus Frankreich und Italien – das heute noch verwendete Wort „Trumpf“ könnte daher stammen. Kartenspiele und auch Tarot gibt es jedoch schon viel länger: Im alten ägyptischen Reich wurden Zukunft und Schicksal mit Hilfe von an Pyramidenwände gemalten Zeichnungen und den 10 weisesten und klügsten Männern des Landes bestimmt. Daneben wurden vermutlich auch bemalte Kalenderkarten aus Papyrus als Orakel genutzt. Diese bilden, so eine Theorie, die Grundlage aller Karten und Kartenspiele, die wir heute als Freizeitvergnügen kennen.

Aber… Papier stammt doch aus China?

Stimmt, und Kartenspiele aus Holz, Elfenbein oder Leder sind auch eher unpraktisch, daher sollten wir den Chinesen, auf jeden Fall den Asiaten, ziemlich dankbar sein. Sie haben nicht nur Papier erfunden, sondern auch bereits vor Christi Geburt Kartonplättchen mit bunten Bildern versehen und damit gespielt. Der Weg der Karten und ihrer Herstellung führte daher wohl über Indien, möglicherweise von dort mit fahrenden Völkern endlich nach Europa.

Eine ziemlich lange Fahrt. Vielleicht gingen aus diesem Grund bereits unterwegs ein paar Karten verloren: Im Unterschied zu Tarot, das aus 78 Karten besteht, finden sich nämlich in den meisten Kartenspielen, so auch beim Solitär, 52 Karten. Damit kommt gleich auch die nächste Quelle der Kartenspielkultur hinzu: Ein Kartensatz aus 52 Karten in vier Farben soll im 14. Jahrhundert, aus der islamischen Welt den Weg nach Europa gefunden haben.

 

Daraus entstanden im Laufe der Zeit Kreuz, Pik, Herz und Karo. Interessanterweise werden Karten, wie wir sie kennen, also König, Königin (Dame), Bauer (Bube), das erste Mal in der Schweiz, genauer gesagt 1367 in Bern erwähnt. Das hätte man den Schweizern auch nicht unbedingt zugetraut, oder? Die Obrigkeit jedoch erließ auch gleich ein Verbot – die Karten seien ein „Gebetbuch des Teufels“ und eine böse Verführung für Christenmenschen. Aber just diese Empörung ist der Grund, warum wir von der Existenz dieser Kartenspiele wissen – ein Verbot, schön ordentlich und schriftlich nach Schweizer Art niedergelegt.

Vom Volk zum Adel: Müßiggang ist aller Laster Anfang

Verbot hin oder her, der Siegeszug des Kartenspieles in Europa war nicht mehr aufzuhalten. Ob in England, Spanien, Deutschland oder Frankreich – alle spielten Karten, egal als wie verteufelt oder verrucht es galt. Die Obrigkeit und die Kirche hatten ihre liebe Mühe mit den bösen Kartenspielen und versuchten sie zu reglementieren, zu unterdrücken, unter Strafe zu stellen und erhoben auch Steuern darauf. Keine Chance, das Volk hatte einen Zeitvertreib gefunden, von dem es nicht lassen wollte. Erwachsene, Alte, Junge und Kinder spielten Karten, aus Vergnügen oder um Geld. Und wie es immer so ist, irgendwann kam auch der Adel auf den Geschmack und Karten in die Finger. Oder doch die Entwicklung über Tarotkarten?

Über den Ursprung des Solitär, das auch Patience heißt, gibt es auf jeden Fall eine sehr romantische Geschichte: Angeblich hat ein französischer Adeliger, während er in Zeiten der Französischen Revolution in der Bastille auf seine Hinrichtung wartete, aus purer Langeweile angefangen Patiencen zu legen. Schließlich hatte er nichts Besseres zu tun und wohl Karten zur Hand. Er soll die Angewohnheit unter den politischen Gefangenen verbreitet haben – und offenbar verbreitete sich das Spiel dann aus den Kerkern der Bastille in die Salons der Wohlhabenden, die ebenfalls über Spielkarten und viel Zeit verfügten.

Solitär – auch Napoleon verfiel dem Spiel

Was wir ganz genau wissen ist, dass Solitär offiziell im 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts das erste Mal in Frankreich auftauchte – und dort auch noch heute gängige Begriffe wie Talon oder Tableau entstanden. Napoleon Bonaparte soll Tarotkarten verwendet haben, um Schlachten vorherzusagen und auch auf St. Helena, wohin er verbannt wurde, Patiencen gelegt haben. Wir wissen allerdings auch, dass Napoleon unter Schlafstörungen litt, vielleicht hat er also einfach Karten gelegt, um zur Ruhe zu kommen? Die Wirkung des Solitär als Entspannungs- und Schlafmittel scheint jedenfalls deutlich wahrscheinlicher als die Chance, mit Hilfe von Karten in die Zukunft zu sehen – egal, ob man französischer Kaiser ist oder nicht! Wahr ist, dass Solitär schnell Freunde in Europa fand und sich rasch auch in Deutschland verbreitete.

Vom heimischen Kartentisch ins Internet: Solitär online spielen

Natürlich wird Solitär auch heute noch am Kartentisch gespielt, aber so richtig gesellig ist das Spiel, das meist von einer, seltener von zwei Personen gespielt wird, nicht. Wahrscheinlich waren es damals vor allem ältere Damen und Herren, die stundenlang und mit Leidenschaft Patiencen legten oder Solitär spielten. Doch spätestens mit dem Aufkommen der ersten PCs wurde das klassische Kartenspiel zu einem absoluten Hit bei allen Altersgruppen!

Klondike Solitaire war schon unter Windows 3.0 dabei. Logisch, das Spiel benötigt wenig Computerleistung, ist einfach darzustellen und bietet dafür stundenlang und unbegrenzt Unterhaltung. Vielleicht klingeln dem ein oder anderem bei der Erwähnung des Namens „FreeCell“ die Ohren? Kein Wunder, das war Solitär für den PC. 16 Farben, EGA Graphics und eine Maus – das hatte Apple erfunden und natürlich gab es auf dem Macintosh auch Solitär! Die PCs und Macs wurden immer leistungsfähiger und bereits 1992 gab es 105 verschiedene Spielvarianten inklusive ausführlicher Statistik.

Hier im Spiele-Palast gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir holen das Solitär ins Internet und lösen es durch den Mehrspieler-Modus aus der traditionellen Einsamkeit! Ob als App, Browserspiel, Tablet-, Online- und Desktop-Version – Klondike Solitär ist ein Spieleklassiker, der aus guten Gründen nichts an Beliebtheit eingebüßt hat!